Brakelsiek

Prof. Dr. Karl Eckart, Brakelsiek.
Soziale, wirtschaftliche und raumstrukturelle Entwicklungen über fünf Jahrhunderte.

Eine Chronik.

2. Auflage 2009, 496 Seiten, Format 21 x 29,7 cm, Hardcover.

 

Artikelnummer: BRA

Kategorie: Chronik, Sonstiges, Regionales

Eckart, Brakelsiek (BRA)

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Produktinformation


Prof. Dr. Karl Eckart, Brakelsiek

Soziale, wirtschaftliche und raumstrukturelle Entwicklungen über fünf Jahrhunderte. Eine Chronik.

2. Auflage 2009, 496 Seiten, Format 21 x 29,7 cm, Hardcover.

 

Die Ortschronik Brakelsiek umfaßt 496 DIN-A4-Seiten und enthält zahlreiche Farbkarten, farbige Photos, schwarz-weiße Photos, Graphiken und Tabellen, gebunden.

ISBN 3-939413-00-3 bzw. 978-3-939413-00-4.

In 13 Kapiteln wird die Entwicklung dieses Ortsteils der heutigen Stadt Schieder-Schwalenberg (Kreis Lippe) vom Jahre 1510 bis in die Gegenwart in ausgewählten thematischen Schwerpunkten behandelt.

Die Chronik stellt die Organisationsstrukturen des Gemeinwesens Brakelsiek, Bevölkerungsstrukturen, Siedlungsstrukturen, Verkehrsinfrastrukturen, Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe, Schulwesen, Vereinswesen, medizinische und sozialpflegerische Versorgung dar. Diese Aspekte werden aber nicht nur konkret für die Bauerschaft, die Gemeinde bzw. den Ortsteil behandelt, sondern immer auch in größerem inhaltlichen und räumlichen Zusammenhang gesehen. So stellt die Chronik einerseits die Entwicklung des Ortes Brakelsiek über 500 Jahre, anderseits ein Exemplum für zahlreiche ehemalige selbständige Ortschaften im Lippischen Südosten bzw. in Lippe dar, die in ähnlicher Weise Wandlungsprozesse durchgemacht haben.

Der Verfasser, Prof. Dr. Karl Eckart, war bis zu seiner Emeritierung (2004) als Professor für Angewandte Geographie (Wirtschafts- und Sozialgeographie) an der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg tätig.

 

Mehr über dieses Buch

Brakelsiek, entstanden am Beginn der Frühen Neuzeit, war zunächst Teil der Grafschaft Lippe, und damit auch Teil des Samtamtes Schwalenberg-Oldenburg. Das bedeutete, dass die Brakelsieker Kolonate nach Detmold und nach Paderborn (Fürstbischof) Abgaben zu leisten und Dienste zu erbringen hatten.

Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) hatte schlimme Auswirkungen auf die Bauerschaft und deren Eingesessene. Raubzüge und Plünderungen trugen zur Verarmung vieler Familien bei. Hinzu kam, daß die sozialen Gruppen (Vollmeier, Halbmeier, Kötter) in unterschiedlichem Umfang belastet waren.

Die – trotz der Verluste durch den Dreißigjährigen Krieg – starke Bevölkerungszunahme brachte Beschäftigungsprobleme mit sich. Da nur der erstgeborene Sohn den Hof erben konnte, blieb den übrigen Kindern nur die Möglichkeit, sich mit anderen Tätigkeiten den Lebensunterhalt zu verdienen. Sie waren die »Zuspätgekommenen«, hatten keinen eigenen Hof und keine landwirtschaftliche Fläche. Das waren die Eigenhäusler und Einlieger, die sich in der sozialen Leiter am untersten Ende befanden. Diese Bevölkerungsschichten beschäftigten sich mit Spinnen und Weben. Doch als die Textilmaschinen in anderen Regionen eingesetzt wurden, ging Ende des 18. Jahrhunderts diese Beschäftigung zu Ende.

1806 wurde Brakelsiek Teil des Fürstentums Lippe, dann ab 1918 Freistaat Lippe und mit der Bildung von Nordrhein-Westfalen im Jahre 1947 Teil dieses Bundeslandes.

Das 19. Jahrhundert war das Jahrhundert der Reformen. Es wurde die Leibeigenschaft der Bauern abgeschafft. Für den 25fachen Wert des Kolonates bzw. landwirtschaftlichen Betriebes konnten die bisherigen Bewirtschafter von Höfen diese als Eigentum erwerben. Da jedoch Bargeld knapp war, zog sich die Ablösung über viele Jahrzehnte hin. Das 19. Jahrhundert war auch das Jahrhundert mit der Einführung neuer Nutzpflanzen als Ausweg aus den immer wieder auftretenden Hungersnöten. Es war das Jahrhundert der Massenauswanderungen in die USA als Folge der schwierigen Lebenssituationen in der Heimat. Der zunehmende Bevölkerungsdruck schuf sich mit der Auswanderung ein bedeutsames Ventil. Da mit zunehmender Bevölkerung die Beschäftigung in der Landwirtschaft nicht mehr möglich war und andere Arbeitsplätze fehlten, begann auch zunehmend die Wanderarbeit, zunächst zogen viele Männer als Grasmäher nach Friesland, dann als Ziegler und Maurer nach Hamburg, in den Raum um Hannover und ins Ruhrgebiet. Besonders nach der Reichsgründung 1870/71 bekam die Bauwirtschaft einen großen Auftrieb und damit gab es gute Beschäftigungsmöglichkeiten außerhalb von Brakelsiek.

Der Erste Weltkrieg unterbrach eine vielversprechende wirtschaftliche und soziale Entwicklung. So wurde z. B. die vor dem Ersten Weltkrieg etablierte Weiterbildungsschule während des Krieges geschlossen und nicht wieder eröffnet. Auf der anderen Seite aber gab es im technischen Bereich in den 1920er und 1930er Jahren tiefgreifende Veränderungen, die zunächst durch den Ersten Weltkrieg blockiert worden waren. Es setzte z. B. die Elektrifizierung auf dem Lande ein. Das bedeutete nicht nur bessere Beleuchtungsverhältnisse für die Haushalte, sondern auch Erleichterung vieler Arbeitsprozesse, die bis dahin mit schwerer körperlicher Arbeit verbunden waren. Es wurden mehr und mehr gummibereifte Wagen eingesetzt. Es begann mit der Einführung der ersten Motorräder und Autos die Mobilisierung, die einen verstärkten Straßenbau mit gut befahrbarem Belag zur Folge hatte. In Brakelsiek hatte der Besitzer des Geschäftes Runte Ende der 1920er Jahre das erste Motorrad im Dorf. Nur wenig später kaufte Wienke die Pullmann-Limousine und damit das erste Taxi des Ortes.

Auf die Zeit der Weimarer Republik folgte die Zeit des Nationalsozialismus. Die Abschaffung der demokratischen Strukturen in der Hitler-Diktatur bedeuteten einen radikalen wirtschaftlichen und sozialen Wandel. Am Ende stand der Zweite Weltkrieg mit der Zerstörung von Städten, Wirtschaftsräumen und Existenzen, Evakuierungen und Vertreibungen. Brakelsiek hatte zum Ende des Zweiten Weltkrieges teilweise mehr als 150 Evakuierte. Bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 1100 Einwohnern war das ein sehr hoher Anteil. Es gab dadurch nicht nur Versorgungs- sondern auch Wohnungsprobleme. Die Schulklassen waren überfüllt. Nachdem die Evakuierten zum größten Teil wieder in ihre Heimatorte zurückgekehrt waren (in erster Linie waren das die Ruhrgebietsstädte), kam als nächstes die Welle der Flüchtlinge und Vertriebenen. Und wieder gab es große Versorgungs- und Wohnungsprobleme.

In der Besatzungszeit bestanden nach wie vor große Schwierigkeiten. Benzin- und Stromrationierungen waren u. a. an der Tagesordnung. Die englische Besatzungsmacht kontrollierte die wirtschaftlichen Verhältnisse.

Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland änderte sich die Situation. Nun wurde mit der Einführung des neuen Gesellschafts- und Wirtschaftssystems, der demokratischen Strukturen und des Systems der sozialen Marktwirtschaft das sog. »Wirtschaftswunder« eingeläutet. Dazu gehört u. a. die umfangreiche Wohnungsbautätigkeit, die in den 1950 und 1960er Jahren zu einer erheblichen Ausweitung des Siedlungsraumes von Brakelsiek führte.

Aber auch an den Altbauten wurden sichtbare bauliche Veränderungen vorgenommen, z. B. WCs und Bäder eingebaut. Ein neues Schulgebäude entstand. Immer mehr Autos wurden gekauft. Der zunehmende Wohlstand war somit deutlich sichtbar.

Die Handwerksbetriebe hatten volle Auftragsbücher.

Ende der 1960er Jahre kam es zu einer weiteren radikalen Veränderung. Am 1.1.1970 erfolgte die kommunale Neugliederung. Nun wurde Brakelsiek zum Ortsteil der neugebildeten Stadt Schieder-Schwalenberg und verlor damit seine Selbständigkeit. Mit der Ansiedlung von Rußlanddeutschen bekam die Bevölkerung einen kurzzeitigen Entwicklungsimpuls. Heute hat der Ortsteil Brakelsiek weder eine Grund- noch Hauptschule. Es gibt weder eine Post noch einen Kolonialwarenladen.

Die einst dominierende Landwirtschaft ist fast verschwunden. Und auch die Handwerksbetriebe sind zum größten Teil aufgegeben worden. Aber die seit Jahrhunderten ausgeprägte Mobilität der arbeitsfähigen Bevölkerung in andere Regionen ist aktueller denn je.