Schmisse, Lappen, Knochensplitter

Peter Hauser (Hg.), Schmisse, Lappen, Knochensplitter.

Paukärztliche Schriften des 19. Jahrhunderts.

202 Seiten, fest gebunden.

 

Artikelnummer: SLK

Kategorie: Mensur und Duell, WJK Verlag

Hauser, Schmisse, Lappen, Knochensplitter (SLK)

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Produktinformation


Peter Hauser (Hg.), Schmisse, Lappen, Knochensplitter Paukärztliche Schriften des 19. Jahrhunderts

202 Seiten, fest gebunden.

 

Immisch, Hoffacker und andere berühmte Mensurbader ihrer Zeit berichten über abgeschlagene Nasen und Ohren und geben nützliche Hinwise zum »Flicken«.

 

Das ideale Geschenk für den Gegenpaukanten – vor oder nach der Partie!

 

Wie bereits mit dem Nachdruck der Chirurgie des Mensurbodens von Konrad Purrucker aus dem Jahr 1926 – bis heute ein nachgefragter Leitfaden für jeden Paukarzt – und seinen insgesamt sieben Bänden mit juristischen und medizinischen Dissertationen zur Mensur aus den 1920er und 1930er Jahren hat Peter Hauser als Herausgeber diesmal eine Sammlung paukärztlicher Schriften des 19. Jahrhunderts in dem Band Schmisse, Lappen, Knochensplitter vorgelegt und bereitet damit dem von der deutschen Verwaltungsmedizin des 21. Jahrhunderts geplagten und schlaflosen Arzt ein nächtliches Lesevergnügen. Zunächst werden von dem ehemaligen Jenaer und Heidelberger Paukarzt Friedrich Immisch in seiner 1885 erschienenen Schrift Ueber das ›Pauken‹ und die bei der Behandlung der ›Schmisse‹ eintretenden sowie die schnelle Heilung der Wunden hindernden Störungen niedergelegte 36jährige Erfahrungen bei der medizinischen Betreuung von über 12.000 Mensuren in der gebotenen Ausführlichkeit der Sache dargestellt. Eine echte Brücke zur Praxis für den Studierenden der Medizin schlägt 1886 der praktische Arzt Dr. med. Friedrich Eichholz mit seiner Veröffentlichung Der Paukarzt. Anleitung zur Behandlung der Mensurverletzungen. Dazu gehören paukärztliches Besteck und Verbandszeug, Maßregeln vor und während der Mensur ebenso wie Anleitungen beim ›Flicken‹, dessen Prinzipien mutatis mutandis – so wird man allen Sparzwängen zum Trotz heute kaum mehr Karbol zur Antisepis oder selbsthergestelltes Catgut (Katzendarm) als Nahtmaterial einsetzen – in der ambulanten chirurgischen Wundversorgung bis heute üblich sind.

 

Sprichwörtlich noch weiter holt Dr. Otto Vockinger mit seinem Chirurgischen Vademecum für den Paukboden, erschienen 1893 in München, aus, indem er nicht nur wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Methoden und Materialen beschreibt und nach Abwägung der Vor- und Nachteile die notwendigen Schlußfolgerungen zieht, sondern vor allem auch die Besonderheiten bei Verletzungen der oberen Extremität und des Thorax durch Einwirkungen des schweren Säbels erläutert. Abschließend geht er auf Üble Zufälle während der Mensur ein; bei Schädelhirntraumata empfiehlt er so die Gabe von Exzitantien (Äther, Oleum camphoricum, Tinctura Moschi) im Depressionsstadium – hier würde heute eher die Anlage eines möglichst großlumigen venösen Zugangs, ggf. Intubation und Beatmung mit milder Hyperventilation, Oberkörperhochlagerung und intensivstationäre Aufnahme mit Computertomographie unter Hinzuziehung eines Neurochirurgen Vorgehen der Wahl sein.

 

16 Fallberichte von Wilhelm Hoffacker mit Beobachtungen über die Anheilung abgehauener Stücke der Nase und Lippen aus dem Jahr 1828 sowie einen weiteren aufsehenerregenden Fall der Krankheitsgeschichte eines abgehauenen Nasenstückes, welches 25 Minuten lang vom Körper abgetrennt war, vom selben Autor aus dem Jahr 1836 hat der Herausgeber an den Schluß seines Bandes gesetzt.

Zu fordern ist daher ein moderner Leitfaden zur Mensurmedizin, der – dem Stand der Wissenschaft entsprechend – heutige Erkenntnisse und Behandlungsmethoden zum Nutzen junger Paukanten einbezieht: Anamnese von Gerinnungsstörungen, Allergien gegen Nahtmaterialien und Lokalanästhetika, Volumenersatz und Notfalltherapie, mikrochirurgische sowie osteosynthetische Verfahren und nicht zuletzt die kosmetische Chirurgie. Vielleicht ist ja der 1. Paukärztekongreß, der am 16. April 2005 in Rostock stattgefunden hat, ein Schritt in diese Richtung.

 

Die ohne Zweifel wünschenswerte Einführung des Facharztes für Mensurmedizin oder die Verleihung einer entsprechenden Zusatzbezeichnung wird dagegen wohl ein unerfüllbarer Wachtraum bleiben müssen, der ohnehin zwangsläufig bereits an den horrenden Hürden des ärzteschaftlichen Kammerwesens scheitern müßte.

 

Dr. med. Bernhard Grün, CC-Blätter 4/2005