Exner, MISSA STUDENTICA

Ernst Exner, MISSA STUDENTICA.

Satz für die "Comedian Vocalists" von Harald Adolf.

CD mit 14 Musikstücken.

 

Artikelnummer: EMS

Kategorie: Studentenlieder

Exner, MISSA STUDENTICA (EMS)

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Ernst Exner, MISSA STUDENTICA

Satz für die "Comedian Vocalists" von Harald Adolf

CD mit 14 Musikstücken

 

 

Es ist nicht ganz ungewöhnlich, dass eine Messkomposition bereits im Titel oder Untertitel einen studentischen Bezug herstellt.

Ein frühes Beispiel dafür ist die „Missa a tre voci“ von Antonio Lotti (1667–1740) aus dem frühen 18. Jh., die ausdrücklich als „Studentenmesse“ bezeichnet wird – möglicherweise, weil ihr Tonumfang jenem jugendlicher Stimmen und der instrumentale Satz der Kapazität eines Jugendensembles entspricht – ein Werk für Schüler also.

Nun war Lotti zwar Venezianer, hat aber viel für den Wiener Hof geschrieben, und in Österreich werden Gymnasiasten traditionell als Studenten bezeichnet.

 

 

 

Dass sich für den liturgischen Gesang auch studentische Weisen eignen, dass also die Namensgebung nicht nur die Zielgruppe benennt, sondern auch die stilistische Herkunft einschließt, ist ein Phänomen, das ganz zaghaft erst im 20. Jh. auftaucht. Die wenigen mir bekannten Beispiele dieser Art stammen mehrheitlich aus Österreich, einem betont katholischen Land also, in dem die katholische Variante des Farbstudententums sowohl pennal als auch akademisch weite Verbreitung hat.

 

Der aus dem oberösterreichischen Mühlviertel stammende Musikpädagoge und Linzer Domorganist Franz Karl Neuhofer (1870–1949) schrieb schon 1918 eine Studentenmesse, und ließ 1927 zum 60jährigen Jubiläum des Gymnasiums seiner Heimatstadt Freistadt eine weitere folgen, die er „Missa academica“ nannte und deren Kyrie nach der Gaudeamus-Weise zu singen ist. Unter demselben Titel hatte bereits 1911 der Pfälzer Karl Wendl (1886–1952) eine Messkomposition verfasst, deren Partitur mir aber nicht vorliegt. *)

 

 

Im Jahre 1990 arrangierte Hubert Zeinar (* 1946), ein Offizier und Historiker, zum 30. Stiftungsfest der ÖCV-Verbindung Theresiana Wiener Neustadt eine Messe, die ausschließlich aus Studentenliedern besteht; davon liegt ein Mitschnitt auf Musikcassette vor. Dieselbe Idee inspirierte 2002 den Wiener Beamten Johann Hamp (* 1931) zu einer für den Volksgesang gedachten „Studentenliedermesse“ anlässlich des 80. Stiftungsfestes der MKV-Verbindung Borussia Wien. Ebenso für den gemeinschaftlichen Gesang ist die „Silveriusmesse“ gedacht, die 1993 für die Wiener ÖCV-Verbindung Bajuvaria entstanden ist; dabei verzichtete der Komponist, der den GDS-Liedseminaristen wohl bekannte Carl Florian Pfaffinger (* 1957), aber auf studentische Melodien zugunsten eigener Weisen.

 

 

2017 folgte Ernst Exner (* 1934) diesen Vorgängern und widmete seiner Verbindung Pannonia Wien (gegr. 1932; blau-gold-rot zu blauen Mützen; „Pro deo et patria, semper bonae voluntatis!“ [Für Gott und Vaterland, stets guten Willens!]; im ÖCV) zum 85. Stiftungsfest eine „Missa studentica“.

 

 

Auch Ernst Exner ist in der GDS kein Fremder: Er gehört ihr seit 1987 an. Seine Vorträge und Aufsätze zu Themen der Studentenmusik und des Brauchtums gelten als Leckerbissen ihres Faches. Der gebürtige Wiener mit böhmisch-mährischer Ahnenreihe zog schon als Mittelschüler die Musik dem Schreibtischstudium vor. Er besuchte die Oper am Stehplatz und komponierte eigene kleine Werke, die auch zur Aufführung kamen. Als Student der Musikwissenschaften und Germanistik schrieb er Tanzmusik für seine Verbindung, später auch eine rhythmische Messe. Früh fand er eine Stellung beim Österreichischen Rundfunk, dem er durch seine ganze Berufslaufbahn treu blieb; ab 1967 leitete er den Aktuellen Dienst, ab 1987 die Abteilung „Kultur und Wissenschaft“ des Landesstudios Niederösterreich. Ein journalistischer Kopf mit einem musischen Herzen und einer couleurstudentischen Seele – ein Solitär.

 

 

Seiner Missa studentica liegen Texte des deutschen Ordinariums und des katholischen Kirchenliederbuches „Gotteslob“ zugrunde, die er zu den einzelnen Melodien bearbeitete. Das Eingangslied folgt der Weise „Es hatten drei Gesellen“, das Kyrie dem Cantus „Wo zur frohen Feierstunde“ und das Gloria Otto Lobs selten angestimmtem Lied „Viel volle Becher klangen“ in Verbindung mit dem Volkslied von den drei Königskindern. Zum Zwischengesang klingen Melodien von Methfessel auf und das Credo wechselt von „Die Gedanken sind frei“ zu „Wenn alle untreu werden“. Nachdem der Opfergottesdienst mit „Brüder, lagert euch im Kreise“ eingeleitet wurde, folgt das Sanctus zu „Als ich schlummernd lag heut nacht“, womit auch das Gaudeamus einen Platz findet. „Sind wir vereint zur guten Stunde“ dient dem Vater unser, worauf das Agnus Dei nach „Wir hatten gebauet“ folgt. Während der Kommunion ertönt der Festgesang „Alles schweige“, ehe der Gottesdienst hymnisch nach „Strömt herbei, ihr Völkerscharen“ ausklingt, was dem Verbandslied des CV entspricht. Dem Messordinarium folgen noch ein Epilog auf einen Bonhoeffer-Text zur Tonfolge von „Dort wo der alte Rhein“ und ein Ave Maria zur Weise „Vom hoh’n Olymp“.

 

 

Die Frage, wie weit Studentenlieder mit ihren zwanghaften Assoziationen zum meditativen Geschehen eines katholischen Messablaufes passen, ist bei allen Versuchen dieser Art widersprüchlich diskutiert worden und lässt sich wohl nur ganz subjektiv beantworten. Objektiv beurteilbar ist aber die geschmackvolle Verbindung geistlicher Texte mit gesellschaftlich eingeführten Melodien. Diese Bearbeitung ist durchweg sensibel geraten und lässt Worte und Gesang zu einer Einheit werden, der es in keinem Moment an Würde und Feierlichkeit fehlt. (In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass auch Johann Sebastian Bach für einige Chöre und Soli seines Weihnachtsoratoriums ältere, weltliche Kantatenkompositionen nützte.)

 

 

Höchst kultiviert ist auch die Aufnahme der Missa studentica geraten, die in der romanischen Probsteikirche von Zwettl von dem männlichen Vokalquartett „Comedian Vocalists“ eingesungen wurde, wofür der Tenor Harald Adolf den Satz herstellte. Mit der so entstandenen CD liegt erstmals ein studentenmusikalischer Gottesdienst als professionelle akustische Produktion vor und kann den Freunden des Studentenliedes als gediegenes Klangerlebnis wärmstens empfohlen werden.

 

– Studenten-Kurier 4/2018